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Pick-by-Vision im Lager - Vorteile, Grenzen und Einführung

Gerald Stephan 12. August 2026
Ein schwarzer Hut mit einer Kamera, die per Vision gesteuert wird, ist an einer Brille befestigt.

Inhaltsverzeichnis

Wenn Kommissionierer zwischen Regalen suchen, Listen ablegen und Artikel mehrfach prüfen müssen, kostet das Zeit und erhöht die Fehlerquote. Pick-by-Vision führt Mitarbeitende mit einer Datenbrille durch den Auftrag und zeigt Lagerplatz, Artikel und Menge direkt im Sichtfeld an. Ich erkläre, wie das Verfahren funktioniert, wann es sich lohnt, welche Alternativen sinnvoll sind und woran eine Einführung in der Lagerlogistik häufig scheitert.

Visuelle Führung macht das Kommissionieren freihändig und kontrollierbarer

  • Funktionsweise: Eine Datenbrille zeigt Lagerplatz, Artikel, Menge und Weg in Echtzeit.
  • Stärke: Beide Hände bleiben frei, während das System jeden Pick digital begleitet.
  • Voraussetzung: Ein stabiles WLAN, aktuelle Bestandsdaten und eine gute Schnittstelle zum LVS sind unverzichtbar.
  • Nutzen: Kürzere Suchzeiten, weniger Verwechslungen und eine schnellere Einarbeitung sind realistische Ziele.
  • Grenze: Anschaffungskosten, Akkulaufzeit, Ergonomie und Lichtverhältnisse müssen zum Lager passen.

Mitarbeiter nutzt Smart Glasses und Handschuh-Scanner für Pick-by-Vision im Lager.

Wie Pick-by-Vision im Lager funktioniert

Beim visuellen Kommissionieren trägt die Arbeitskraft eine Datenbrille oder ein Head-Mounted Display. Das Gerät empfängt den Auftrag aus dem Lagerverwaltungssystem, kurz LVS oder WMS, und blendet die nächsten Arbeitsschritte in das Sichtfeld ein.

Typischerweise sieht der Mitarbeiter zunächst den Zielgang und das Fach. Danach folgen Artikelnummer, Produktbild oder Bezeichnung sowie die benötigte Menge. Ein Pfeil kann die Richtung anzeigen, während ein Scanner den Barcode prüft. Erst wenn die Entnahme bestätigt ist, wird der Bestand im System aktualisiert.

Die Rückmeldung erfolgt über einen integrierten Scanner, ein Touchpad, Sprachbefehle oder eine Kombination daraus. Ich halte die Barcode-Bestätigung besonders bei ähnlichen Artikeln für wichtig, denn eine visuelle Einblendung allein verhindert nicht automatisch jeden Griff ins falsche Fach.

Ein typischer Pick-Ablauf

  1. Das WMS übermittelt einen Einzel-, Batch- oder Multi-Order-Auftrag.
  2. Die Brille führt zur nächsten Lagerposition und zeigt die Entnahmemenge an.
  3. Der Mitarbeiter identifiziert den Artikel per Scan oder visueller Prüfung.
  4. Die Entnahme wird bestätigt und der Bestand online verbucht.
  5. Bei Fehlbestand, Beschädigung oder Abweichung wird ein Ausnahmeprozess ausgelöst.

Der entscheidende Unterschied zu einer Papierliste liegt nicht nur im Display. Die Datenbrille verbindet Anweisung, Navigation und Rückmeldung in einem Ablauf. Dadurch muss der Mitarbeiter seltener zwischen Ware, Handscanner und Auftrag hin- und herwechseln.

Welche Vorteile im Alltag wirklich zählen

Der offensichtlichste Vorteil ist die Bewegungsfreiheit. Beide Hände bleiben für Kartons, Behälter oder empfindliche Waren frei, was besonders bei sperrigen oder häufig wechselnden Aufträgen angenehm ist. Die DGUV beschreibt diesen freien Zugriff als einen wichtigen ergonomischen Vorteil des Verfahrens.

Auch die Orientierung verbessert sich. Statt Fachnummern aus einer Liste zu suchen, erhält der Kommissionierer eine konkrete visuelle Führung. Das hilft neuen Beschäftigten, Leiharbeitskräften und Mitarbeitenden, die nur gelegentlich in einer bestimmten Zone arbeiten.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität. Anders als bei fest installierten Pick-by-Light-Anzeigen benötigt die Lösung keine Anzeige an jedem einzelnen Lagerplatz. Mehrere Personen können denselben Gang bearbeiten, weil jeder nur seine eigenen Anweisungen sieht.

  • Weniger Suchzeit durch direkte Navigation zum Fach
  • Geringere Verwechslungsgefahr durch Artikelbild, Barcode und Mengenanzeige
  • Schnellere Einarbeitung bei wechselndem Personal
  • Höhere Transparenz durch die sofortige Rückmeldung an das WMS
  • Freie Hände beim Entnehmen, Prüfen und Verpacken

Einzelne Branchenangaben nennen Fehlerraten von etwa 0,1 bis 0,7 Prozent. Solche Werte sind jedoch kein Versprechen für jedes Lager. Sie hängen von Stammdatenqualität, Artikelstruktur, Scanpflicht, Wegführung und der tatsächlichen Bedienbarkeit der Hardware ab.

Meiner Einschätzung nach wird der Nutzen oft bei der Geschwindigkeit überschätzt und bei der Prozessqualität unterschätzt. Ein System, das jeden Pick zuverlässig dokumentiert, kann Retouren, Nacharbeiten und Bestandsschwankungen stärker reduzieren als ein kleiner Gewinn bei der reinen Picks-pro-Stunde-Zahl.

Wo die Technik an Grenzen stößt

Eine Datenbrille ist kein Selbstläufer. Sie braucht eine zuverlässige Funkverbindung, ausreichende Beleuchtung und klare Barcodes. In Metallregalen, Kühlhäusern oder weitläufigen Hallen können Funklöcher und Reflexionen den Ablauf stören.

Auch die Hardware selbst verlangt Aufmerksamkeit. Akkulaufzeit, Gewicht und Sichtfeld entscheiden darüber, ob Beschäftigte die Brille über eine komplette Schicht akzeptieren. Bei Brillenträgern kann zusätzliches Equipment notwendig sein, und nicht jede Person verträgt längeres Arbeiten mit eingeblendeten Informationen gleich gut.

Die Kameraoption bietet zwar zusätzliche Möglichkeiten bei der Objekterkennung, wirft aber weitere Fragen auf. Werden Mitarbeitende oder Arbeitsbereiche aufgezeichnet, sollten Datenschutz, Zugriffskonzepte und die Einbindung des Betriebsrats früh geklärt werden.

Typische Fehlannahmen

  • „Die Brille ersetzt das WMS.“ Sie kann nur so zuverlässig sein wie die Auftrags- und Bestandsdaten, die sie erhält.
  • „Jede Ware lässt sich automatisch erkennen.“ Verpackungsähnlichkeit, Folien, schlechte Etiketten und wechselnde Artikelbilder erschweren die Erkennung.
  • „Mehr Einblendungen bedeuten mehr Kontrolle.“ Zu viele Informationen überlasten das Sichtfeld und bremsen den Ablauf.
  • „Die Einführung ist nur eine Hardwarefrage.“ Wegeführung, Stammdaten, Ausnahmefälle und Schulung bestimmen den Erfolg mindestens ebenso stark.

Besonders kritisch ist die Bedienung bei Störungen. Wenn WLAN, Scanner oder Akku ausfallen, braucht das Lager einen klaren Fallback-Prozess. Eine begrenzte Anzahl Papierlisten oder Handscanner als Notlösung ist oft sinnvoller, als den gesamten Warenausgang bei einer technischen Unterbrechung stillzulegen.

Pick-by-Vision im Vergleich zu anderen Verfahren

Die beste Kommissioniermethode hängt vom Sortiment, vom Auftragsvolumen und von der Lagerstruktur ab. Für ein kleines Ersatzteillager mit wenigen Aufträgen kann ein Handscanner wirtschaftlicher sein als eine Datenbrille. In einem dynamischen Versandlager mit vielen wechselnden Artikeln sieht die Rechnung anders aus.

Verfahren Stärken Grenzen Geeignet für
Pick-by-Paper Geringe Investition, einfach einzuführen Medienbruch, mehr Such- und Eingabefehler Kleine Lager und seltene Aufträge
Pick-by-Scan Gute Kontrolle, überschaubare Kosten Ein Handscanner blockiert eine Hand Viele Standardlager und gemischte Sortimente
Pick-by-Voice Freie Hände, gute Leistung bei wiederkehrenden Abläufen Abhängigkeit von Spracherkennung und Headset Große Lager mit stabiler Prozessstruktur
Pick-by-Light Sehr schnelle Orientierung an festen Plätzen Hohe Installationskosten und geringe Flexibilität Umschlagstarke Zonen mit konstantem Sortiment
Pick-by-Vision Visuelle Führung, freie Hände, flexibel einsetzbar Hardwarekosten, Akku- und Ergonomiethemen Dynamische Lager und wechselnde Aufträge

Ich würde nicht automatisch die modernste Lösung wählen. Pick-by-Scan bietet häufig das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn Artikel klar etikettiert sind und die Mitarbeitenden nur wenige Handgriffe benötigen. Die Datenbrille spielt ihre Stärken aus, wenn Navigation, freie Hände und schnelle Einarbeitung gleichzeitig wichtig sind.

Auch Mischformen sind sinnvoll. Ein Betrieb kann beispielsweise in der Kleinteilezone visuell führen, im Wareneingang scannen und bei schweren Artikeln mit Sprache oder mobilen Terminals arbeiten. So entsteht kein teurer Technologiemix ohne Nutzen, sondern eine Lösung, die sich an den jeweiligen Arbeitsschritten orientiert.

So gelingt die Einführung im deutschen Lager

Eine erfolgreiche Einführung beginnt nicht mit dem Einkauf der Brillen, sondern mit einer Prozessaufnahme. Messen Sie zunächst Pickzeit, Wegezeit, Fehlerquote und Nacharbeitsaufwand. Ohne diese Ausgangswerte lässt sich später kaum beurteilen, ob die Investition tatsächlich etwas verbessert.

Mit einem begrenzten Pilot starten

Für einen Pilotbereich eignen sich eine klar abgegrenzte Lagerzone und ein überschaubares Sortiment. Ich würde zunächst nur die wichtigsten Funktionen aktivieren, etwa Lagerplatzanzeige, Mengenbestätigung und Barcode-Scan. Komplexe Augmented-Reality-Erkennung kann später folgen, wenn die Basis stabil läuft.

Ein sinnvoller Praxistest sollte mindestens eine vollständige Auftragswelle und unterschiedliche Schichten abbilden. Testen Sie dabei auch Fehlbestand, beschädigte Ware, Retouren, Akkuwechsel und Funkunterbrechungen. Genau diese Ausnahmefälle entscheiden, ob die Lösung im Tagesgeschäft trägt.

Die richtige Wirtschaftlichkeitsrechnung

Bei den Kosten zählen nicht nur Brille und Lizenz. In die Rechnung gehören Ladeinfrastruktur, WLAN-Nachrüstung, Schnittstelle zum WMS, Support, Ersatzgeräte, Schulung und laufende Softwaregebühren. Einen seriösen Pauschalpreis gibt es deshalb nicht, weil ein kleines Stand-alone-System und eine mehrschichtige Lagerlösung völlig unterschiedliche Anforderungen haben.

Vergleichen Sie mindestens drei Szenarien. Dazu gehören der aktuelle Prozess, eine Scannerlösung und die visuelle Führung. Entscheidend ist nicht allein, wie schnell ein Pick ausgeführt wird, sondern ob Fehler, Suchwege, Retouren und Einarbeitungszeit dauerhaft sinken.

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Mitarbeitende früh einbinden

Beschäftigte erkennen oft innerhalb weniger Stunden, ob eine Einblendung hilfreich oder störend ist. Ihre Rückmeldungen zu Gewicht, Sichtfeld, Schriftgröße, Reflexionen und Bedienlogik sind wertvoller als eine reine Produktdemonstration im Showroom.

Ich empfehle, die Akzeptanz nicht über eine künstliche Leistungssteigerung zu erzwingen. Besser ist ein kurzer Schulungsblock, gefolgt von realen Aufträgen und einer offenen Auswertung. Wenn die Brille den Menschen unterstützt, statt jeden Blick und jede Bewegung unnötig zu kontrollieren, steigt die Bereitschaft zur Nutzung deutlich.

Wann sich die Investition besonders lohnt

Visuelle Kommissionierung passt vor allem zu Lagern mit vielen Artikelvarianten, häufig wechselnden Aufträgen und hohem Zeitdruck. Dazu gehören E-Commerce, Ersatzteillogistik, Kontraktlogistik, Pharmadistribution und bestimmte Bereiche der Automobilzulieferung.

Weniger überzeugend ist sie bei sehr kleinen Lagern, wenigen Picks pro Tag oder einem Sortiment, das dauerhaft an denselben Plätzen liegt. Wenn ein Mitarbeiter die gesamte Lagerstruktur kennt und nur selten Fehler auftreten, kann ein einfacher Scanner die vernünftigere Wahl sein.

Auch die Art der Ware spielt eine Rolle. Kleine, ähnliche Produkte profitieren von Bild- und Scanunterstützung, während sperrige oder schwere Artikel zusätzlich ergonomische Hilfsmittel brauchen. Die Brille löst keine Hebeprobleme und ersetzt keine sichere Gestaltung der Verkehrs- und Arbeitsbereiche.

Am Ende zählt eine nüchterne Frage. Verbessert die visuelle Führung genau den Engpass, der heute Geld und Zeit kostet? Wenn die Antwort auf Fehler, Orientierung oder fehlende Prozessdaten lautet, ist ein Pilot oft sinnvoll. Wenn das eigentliche Problem in schlechter Lagerplatzplanung oder ungenauen Stammdaten liegt, sollte zuerst dort angesetzt werden.

Die beste Datenbrille beginnt mit einem sauberen Prozess

Pick-by-Vision ist weder Spielerei noch automatische Lösung für jedes Lager. Die Methode kann Kommissionierer sehr direkt unterstützen, wenn Daten, Wegeführung und Bedienung sauber zusammenspielen und die Hardware zur Arbeitsumgebung passt.

Mein praktischer Rat lautet deshalb, klein zu beginnen, messbare Kennzahlen festzulegen und die Beschäftigten als Nutzer ernst zu nehmen. Ein gut getesteter Pilot zeigt schneller als jede Präsentation, ob die Datenbrille im konkreten Lager wirklich Zeit spart und die Arbeit erleichtert.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Das WMS übermittelt den Auftrag an die Datenbrille. Sie zeigt Lagerplatz, Artikel und Menge an, führt zum Fach und bestätigt die Entnahme per Barcode-Scan, Sprachbefehl oder Touchpad. Danach wird der Bestand online aktualisiert.

Pick-by-Scan ist oft wirtschaftlicher, wenn Artikel klar etikettiert sind und wenige Handgriffe nötig sind. Pick-by-Vision bietet Vorteile bei dynamischen Lagern, wechselnden Aufträgen sowie dann, wenn Navigation, freie Hände und eine schnelle Einarbeitung gleichzeitig wichtig sind.

Erforderlich sind stabiles WLAN, aktuelle Bestandsdaten, eine zuverlässige Schnittstelle zum WMS, ausreichende Beleuchtung und gut lesbare Barcodes. Vor dem Rollout sollten Pickzeit, Wegezeit, Fehlerquote und Nacharbeitsaufwand erfasst und die Lösung in einem begrenzten Pilot getestet werden.

Zu berücksichtigen sind Anschaffungskosten, Lizenz, Support, Ersatzgeräte, Schulung, Akkulaufzeit, Gewicht und Sichtfeld. Zusätzlich können Funklöcher, Reflexionen, Brillenkompatibilität und Datenschutz bei Kameranutzung Probleme verursachen. Für Ausfälle von WLAN, Scanner oder Akku braucht das Lager einen Fallback-Prozess.

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Autor Gerald Stephan
Gerald Stephan
Mein Name ist Gerald Stephan und seit nunmehr 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Mobilität, Logistik und Reiseplanung. Diese langjährige Erfahrung hat mir nicht nur ein tiefes Verständnis für die komplexen Zusammenhänge in diesen Bereichen vermittelt, sondern auch meine Leidenschaft dafür geweckt, diese oft sperrigen Themen für Sie verständlich aufzubereiten. Ich lege Wert darauf, Informationen sorgfältig zu recherchieren, verschiedene Quellen kritisch zu prüfen und Trends frühzeitig zu erkennen, um Ihnen stets nützliche, präzise und aktuelle Einblicke zu ermöglichen. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, die Welt der Mobilität und Logistik besser zu verstehen und Ihre eigenen Reisen optimal zu planen.

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