Arrived at customs - Was bedeutet die Zollmeldung?

Boris Kühn 17. Juli 2026
Paket arrived at customs in Germany. YunExpress übergibt an DHL für die letzte Meile.

Inhaltsverzeichnis

Eine internationale Sendung kann laut Tracking bereits am Zielort angekommen sein und trotzdem noch nicht weitertransportiert werden. Die Meldung arrived at customs bedeutet zunächst nur, dass das Paket bei einer Zollstelle oder einem Abfertigungszentrum eingetroffen ist. Entscheidend ist jetzt, ob Unterlagen fehlen, Einfuhrabgaben anfallen und welcher Vertragspartner laut Incoterm für die Zollabfertigung zuständig ist.

Die wichtigsten Punkte zur Zollmeldung auf einen Blick

  • „Bei Zoll eingetroffen“ heißt noch nicht, dass die Sendung freigegeben wurde.
  • Bei Einfuhren aus Nicht-EU-Staaten können Einfuhrumsatzsteuer, Zoll und Verbrauchsteuern anfallen.
  • DAP belastet den Käufer meist mit der Einfuhrabfertigung, bei DDP übernimmt sie der Verkäufer.
  • Rechnung, Zahlungsnachweis, Warenbeschreibung und gegebenenfalls EORI-Nummer sollten sofort griffbereit sein.
  • Bei einer privaten Postsendung kann eine Zollstelle eine kurze Lagerfrist von 9 Tagen setzen.

Was die Meldung wirklich bedeutet

Der Status zeigt, dass die Ware eine Zollgrenze erreicht hat und nun importrechtlich geprüft werden kann. Das Paket liegt deshalb nicht automatisch beim örtlichen Zollamt. Häufig befindet es sich noch im internationalen Hub eines Paketdienstes, am Flughafen oder in einem Logistikzentrum.

Ich lese diesen Status immer als Zwischenschritt, nicht als Fehlermeldung. Erst Meldungen wie „customs clearance completed“, „released by customs“ oder „zur Zustellung übergeben“ zeigen, dass die Abfertigung abgeschlossen ist.

Trackingmeldung Bedeutung Was zu tun ist
Arrived at customs Die Sendung ist bei der Zollabfertigung eingetroffen. Zunächst abwarten und Tracking weiter beobachten.
Customs clearance in progress Unterlagen, Warenwert und Einfuhrbedingungen werden geprüft. Auf Nachfragen des Paketdienstes oder Zolls reagieren.
Held by customs Die Sendung wartet auf eine Handlung, Prüfung oder Zahlung. Kontakt aufnehmen und fehlende Dokumente einreichen.
Customs cleared Die Ware wurde zollrechtlich freigegeben. Mit Weitertransport oder Zustellung rechnen.

Die englischen Statusbezeichnungen sind allerdings nicht einheitlich. Ein Paket kann bereits die Ausfuhrzollstelle im Absenderland passiert haben und später erneut an einer Einfuhrzollstelle erscheinen. Deshalb sollte ich immer prüfen, ob im Tracking von Exportzoll, Importzoll oder nur von einem Transitland die Rede ist.

Wann deutsche Zollbehörden überhaupt zuständig sind

Kommt die Ware aus einem anderen EU-Mitgliedstaat und befindet sie sich bereits im freien Warenverkehr, gibt es normalerweise keine Einfuhrabfertigung an der deutschen Grenze. Anders sieht es bei Lieferungen aus China, den USA, Großbritannien, der Schweiz oder anderen Nicht-EU-Staaten aus.

Dann müssen Zollbehörden unter anderem die Warenart, den Zollwert, den Ursprung und mögliche Einfuhrbeschränkungen prüfen. Bei gewerblichen Sendungen läuft die Abwicklung in Deutschland in der Regel elektronisch über ATLAS. Private Empfänger werden dagegen oft vom Post- oder Kurierdienst aufgefordert, Unterlagen einzureichen oder Abgaben zu bezahlen.

Welche Kosten entstehen können

Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt in Deutschland meist 19 Prozent, für bestimmte Waren wie Bücher oder ausgewählte Lebensmittel gelten 7 Prozent. Der Zollsatz hängt von der genauen Warennummer, dem Ursprung und gegebenenfalls einem Handelsabkommen ab. Ein allgemeiner Pauschalsatz für alle Pakete existiert nicht.

Abgabe Wovon sie abhängt Typischer Hinweis
Einfuhrumsatzsteuer Bemessungsgrundlage aus Warenwert, Transport, Zoll und weiteren Kosten Meist 19 Prozent
Zoll Warentarifnummer, Ursprung und Zollwert Bei vielen Waren unter 150 Euro kein Zoll, aber oft Einfuhrumsatzsteuer
Verbrauchsteuer Zum Beispiel Alkohol, Tabak oder bestimmte Energieerzeugnisse Kann zusätzlich anfallen
Servicegebühr Abfertigung durch Post- oder Kurierdienst Höhe hängt vom Anbieter und Verfahren ab

Die Grenze von 150 Euro wird häufig missverstanden. Sie bedeutet bei vielen normalen Waren, dass kein Zoll erhoben wird, nicht aber automatisch, dass die Sendung steuerfrei bleibt. Bei gewerblichen Bestellungen kann die Mehrwertsteuer bereits beim Kauf über ein elektronisches Verfahren abgeführt worden sein. Das sollte der Empfänger anhand der Rechnung oder Bestellübersicht kontrollieren.

Ein einfaches Rechenbeispiel

Angenommen, eine Sendung enthält Waren im Wert von 500 Euro und kostet bis zur EU-Außengrenze 50 Euro Fracht. Bei einem beispielhaften Zollsatz von 4 Prozent ergibt sich ein Zollbetrag von 22 Euro. Hinzu kommt die Einfuhrumsatzsteuer auf die gesetzlich relevante Bemessungsgrundlage. Der konkrete Endbetrag kann deshalb deutlich über der reinen Warensteuer liegen.

Das Beispiel ist nur eine Orientierung. Bei Elektronik kann der Zollsatz 0 Prozent betragen, bei Fahrrädern, Kleidung oder Fahrzeugteilen deutlich höher. Für eine belastbare Berechnung braucht man immer die genaue Warenbeschreibung und die passende Zolltarifnummer.

Wer laut Incoterm für den Zoll bezahlt

Der Incoterm steht meist auf der Handelsrechnung oder im Kaufvertrag, etwa „DAP Berlin, Incoterms 2020“. Er regelt die Verteilung von Transportkosten, Risiken und bestimmten Zollpflichten zwischen Verkäufer und Käufer. Er ersetzt aber keine Einfuhrgenehmigung und entscheidet auch nicht allein über die Höhe der Abgaben.

Incoterm Ausfuhrabfertigung Einfuhrabfertigung und Einfuhrabgaben Praktische Folge für den Käufer
EXW Meist Käufer Käufer Günstiger Kaufpreis, aber viel organisatorischer Aufwand.
FCA Verkäufer Käufer Für viele internationale Transporte klarer als EXW.
CPT oder CIP Verkäufer Käufer Verkäufer bezahlt den Haupttransport, der Käufer importiert.
DAP Verkäufer Käufer Die Ware kommt bis zum benannten Ort, Zoll bleibt meist beim Käufer.
DPU Verkäufer Käufer Verkäufer trägt zusätzlich das Entladen am Zielort.
DDP Verkäufer Verkäufer Verkäufer übernimmt Importabfertigung und Einfuhrabgaben.

Für Privatkunden ist DDP meist am bequemsten, wenn der Verkäufer diesen Service tatsächlich korrekt abwickeln kann. Bei DAP klingt die Lieferung bis zur Haustür zunächst ähnlich, doch der Käufer kann trotzdem für Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und die Abfertigung zuständig sein.

Ich achte besonders auf die Kombination aus Incoterm und benanntem Ort. „DAP Deutschland“ ist deutlich ungenauer als „DAP Autohof Bad Rappenau, Incoterms 2020“. Je genauer der Lieferort festgelegt ist, desto weniger Raum bleibt für Streit über Zuständigkeiten und Zusatzkosten.

Was Empfänger jetzt konkret tun sollten

Solange nur der Eingang bei der Zollabfertigung angezeigt wird, muss der Empfänger nicht automatisch tätig werden. Bei einer normalen Kurier- oder Onlinebestellung erfolgt die nächste Nachricht oft per E-Mail oder über das Trackingportal. Trotzdem lohnt es sich, die Unterlagen schon vorzubereiten.

  1. Trackingnummer prüfen. Kontrollieren Sie, welcher Dienstleister die Sendung bearbeitet und in welchem Land sie sich tatsächlich befindet.
  2. Rechnung bereithalten. Benötigt werden meist Bestellbestätigung, Zahlungsnachweis, Warenbeschreibung und gegebenenfalls Versandkosten.
  3. Incoterm nachsehen. Prüfen Sie, ob im Kaufvertrag DAP, DDP, CPT oder eine andere Regel vereinbart wurde.
  4. Absenderdaten kontrollieren. Eine unklare Warenbeschreibung wie „gift“ oder „sample“ kann Rückfragen auslösen.
  5. Nachricht des Dienstleisters beantworten. Reagieren Sie innerhalb der gesetzten Frist und nutzen Sie nur offizielle Kontaktwege.
  6. Abgaben erst nach Prüfung bezahlen. Vergleichen Sie Betrag, Sendungsnummer und Empfängername, bevor Sie einen Zahlungslink öffnen.

Bei einer privaten Sendung, die an ein deutsches Zollamt weitergeleitet wurde, kann die Lagerfrist knapp sein. Nach Angaben des deutschen Zolls beträgt sie in diesem Verfahren 9 Tage; ab dem 10. Lagertag können zusätzliche Kosten entstehen. Wer eine Benachrichtigung erhält, sollte deshalb nicht mehrere Wochen warten, sondern sofort mit dem Zollamt oder dem beauftragten Dienstleister sprechen.

Welche Dokumente häufig fehlen

  • eine nachvollziehbare Rechnung mit Einzelpreisen
  • ein Zahlungsnachweis, etwa Kontoauszug oder PayPal-Beleg
  • eine genaue Warenbeschreibung statt allgemeiner Begriffe
  • Angaben zu Material, Verwendungszweck und Menge
  • bei Unternehmen die EORI-Nummer und gegebenenfalls eine Zollvollmacht

Bei Handelswaren kann zusätzlich ein Ursprungsnachweis wichtig sein. Er beeinflusst unter Umständen den Zollsatz, darf aber nicht einfach durch eine beliebige Herkunftsangabe ersetzt werden. Genau an diesem Punkt entstehen in der Praxis viele Verzögerungen.

Warum Sendungen beim Zoll hängen bleiben

Eine längere Pause bedeutet nicht automatisch, dass die Ware beschlagnahmt wurde. Häufig fehlen schlicht Angaben zum Wert oder zur Produktart. Auch hohe Auslastung, eine manuelle Kontrolle oder eine Weiterleitung an eine andere Zollstelle können den Status mehrere Werktage unverändert lassen.

Lesen Sie auch: A.TR.-Dokument aus der Türkei richtig nutzen - Zoll und Incoterms

Typische Ursachen

  • Unvollständige Rechnung oder widersprüchlicher Warenwert
  • fehlende Einfuhrgenehmigung bei regulierten Waren
  • unklare Angaben zu Medikamenten, Lebensmitteln, Kosmetik oder Ersatzteilen
  • Verdacht auf Markenfälschung oder Verstöße gegen Schutzrechte
  • nicht entrichtete Einfuhrabgaben
  • abweichende Angaben zwischen Bestellung, Rechnung und Zollanmeldung

Besonders kritisch sind Waren, die in Deutschland zusätzlichen Vorschriften unterliegen. Dazu gehören etwa Arzneimittel, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, Funktechnik, Waffen, Pflanzen, tierische Produkte und Waren mit Batterien. Der Zoll prüft dann nicht nur den Preis, sondern auch Einfuhrverbote, Sicherheitsregeln und Genehmigungen.

Eine manuelle Kontrolle lässt sich nicht beschleunigen, indem man dieselbe Anfrage mehrfach an verschiedene Stellen schickt. Hilfreicher ist eine vollständige Antwort mit allen Unterlagen in einer Nachricht. Das spart Rückfragen und erhöht die Chance, dass die Abfertigung ohne weitere Schleife abgeschlossen wird.

Die häufigsten Fehler bei Zoll und Incoterms

Der größte Irrtum besteht darin, Versandkosten und Zollkosten gleichzusetzen. Ein kostenloser Versand bedeutet nicht, dass keine Einfuhrabgaben entstehen. Ebenso wenig garantiert der Hinweis „tax included“ im Onlineshop, dass deutsche Einfuhrumsatzsteuer und Zoll tatsächlich korrekt geregelt sind.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, dass DDP immer problemlos funktioniert. Der Verkäufer muss in Deutschland oder der EU praktisch in der Lage sein, als Importeur aufzutreten und die nötigen Formalitäten zu erfüllen. Ist das nicht der Fall, kann die Sendung trotz DDP beim Käufer landen, der dann mit dem Paketdienst klären muss, wie die Abfertigung durchgeführt wird.

Auch die Übertragung des Risikos wird oft übersehen. Bei CPT oder CIP bezahlt der Verkäufer zwar den Transport bis zum vereinbarten Ziel, das Risiko kann aber bereits bei der Übergabe an den ersten Frachtführer auf den Käufer übergehen. Incoterms regeln daher nicht nur Zollkosten, sondern auch die Frage, wer bei Verlust oder Beschädigung verantwortlich ist.

Fehler Bessere Vorgehensweise
Nur auf den Warenpreis schauen Warenwert, Transport, Zoll, Steuer und Servicegebühr gemeinsam kalkulieren.
DAP mit DDP verwechseln Im Vertrag ausdrücklich prüfen, wer Importabfertigung und Abgaben übernimmt.
„Geschenk“ als Warenbeschreibung verwenden Den tatsächlichen Inhalt und Wert korrekt angeben.
Unklare Produktbezeichnung einreichen Material, Funktion, Menge und Verwendungszweck konkret beschreiben.

Ein kleiner Check vor dem nächsten internationalen Einkauf

Bevor ich eine Ware außerhalb der EU bestelle, prüfe ich drei Dinge. Erstens, ob der Händler den Import wirklich übernimmt oder nur einen günstigen Gesamtpreis verspricht. Zweitens, welche Abgaben für die konkrete Warenart realistisch sind. Drittens, ob die Ware überhaupt ohne zusätzliche Genehmigung nach Deutschland eingeführt werden darf.

Ein Zollstatus ist damit vor allem eine Information über den Prozessstand. Er sagt noch nicht, wie hoch die Kosten ausfallen und wer sie tragen muss. Wer Trackingmeldung, Unterlagen und Incoterm gemeinsam betrachtet, kann die meisten Verzögerungen vermeiden und erkennt schnell, ob er abwarten, Dokumente nachreichen oder den Paketdienst kontaktieren sollte.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Die Sendung ist bei einer Zollstelle oder einem Abfertigungszentrum eingetroffen, aber noch nicht automatisch freigegeben. Erst Statusmeldungen wie „customs cleared“ oder „zur Zustellung übergeben“ weisen auf einen abgeschlossenen Vorgang hin.

Meist fällt Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent an, bei bestimmten Waren 7 Prozent. Zusätzlich können Zoll, Verbrauchsteuern und eine Servicegebühr des Paketdienstes entstehen. Bei vielen Waren unter 150 Euro entfällt zwar der Zoll, nicht aber automatisch die Einfuhrumsatzsteuer.

Bei DAP trägt meist der Käufer die Einfuhrabfertigung und die Einfuhrabgaben, während der Verkäufer den Transport bis zum benannten Ort organisiert. Bei DDP übernimmt der Verkäufer grundsätzlich Importabfertigung und Einfuhrabgaben, muss diese Abwicklung aber praktisch auch leisten können.

Häufig benötigt werden Rechnung mit Einzelpreisen, Zahlungsnachweis, genaue Warenbeschreibung und Versandkosten. Unternehmen sollten außerdem ihre EORI-Nummer und gegebenenfalls eine Zollvollmacht bereithalten. Wird eine private Postsendung an ein deutsches Zollamt weitergeleitet, kann die Lagerfrist nur 9 Tage betragen.

Artikel bewerten

Bewertung: 0.00 Stimmenanzahl: 0

Tags

einfuhrumsatzsteuer
incoterms
zollwert
eori-nummer
zolltarifnummer
Autor Boris Kühn
Boris Kühn
Mein Name ist Boris Kühn, und seit 6 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Mobilität, Logistik und Reiseplanung. Diese Bereiche faszinieren mich, weil sie so grundlegend für unseren Alltag und die globale Vernetzung sind. Ich möchte Lesern dabei helfen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und fundierte Entscheidungen für ihre eigenen Reisen oder logistischen Herausforderungen zu treffen. Bei meiner Arbeit lege ich Wert darauf, Informationen gründlich zu recherchieren und sie so aufzubereiten, dass sie leicht verständlich sind, ohne an Genauigkeit zu verlieren. Mein Ziel ist es, stets aktuelle und nützliche Inhalte bereitzustellen, die Ihnen bei der Planung Ihrer Mobilität und Reisen zur Seite stehen.

Beitrag teilen

Kommentar schreiben