Wenn im Lager neue Ware vor der älteren verkauft wird, bleiben Produkte mit kurzer Haltbarkeit, veraltete Ersatzteile oder empfindliche Materialien unnötig lange liegen. Ein FIFO-Lager sorgt dafür, dass die zuerst eingelagerte Ware auch zuerst entnommen wird. Ich zeige, wie das Prinzip funktioniert, wann es sinnvoll ist, welche Lagertechnik dafür passt und warum FIFO nicht automatisch dasselbe wie FEFO bedeutet.
Die wichtigsten Punkte zur FIFO-Lagerhaltung auf einen Blick
- FIFO bedeutet „First In, First Out“: Die älteste eingelagerte Ware wird zuerst ausgelagert.
- Das Verfahren reduziert Verderb, Veralterung und Abschreibungen.
- Für Waren mit Mindesthaltbarkeitsdatum ist häufig FEFO genauer als FIFO.
- Entscheidend sind klare Kennzeichnungen, feste Abläufe und regelmäßige Kontrollen.
- Ein Lagerverwaltungssystem mit Chargen- und Datumsverwaltung macht die Umsetzung deutlich zuverlässiger.
Was das FIFO-Prinzip im Lager konkret bedeutet
FIFO steht für „First In, First Out“. Im Lager heißt das ganz einfach, dass die Ware mit dem ältesten Einlagerungsdatum zuerst kommissioniert, produziert oder ausgeliefert wird. Neue Lieferungen werden nicht vor die bereits vorhandenen Bestände gestellt, sondern dahinter oder an einer dafür vorgesehenen Zugriffsseite eingelagert.
Ein Beispiel macht die Logik schnell klar. Treffen am 4. März zehn Kartons eines Produkts ein und am 18. März weitere zehn Kartons, werden zunächst die Kartons vom 4. März entnommen. Das gilt auch dann, wenn die neuere Lieferung leichter zugänglich steht. Genau hier entscheidet sich in der Praxis, ob FIFO tatsächlich gelebt wird oder nur auf dem Papier existiert.
Das Verfahren betrifft nicht nur Lebensmittel. Auch Medikamente, Kosmetik, Farben, Chemikalien, Reifen, Elektronik und Ersatzteile können durch lange Lagerzeiten an Qualität oder Wert verlieren. Bei einem Ersatzteil für ein Nutzfahrzeug ist das Alter zwar nicht immer kritisch, bei Gummidichtungen, Akkus oder elektronischen Komponenten kann es aber durchaus eine Rolle spielen.
Warum die Reihenfolge im Lager so viel ausmacht
Der größte Vorteil liegt in der besseren Bestandsrotation. Ware bleibt kürzer liegen, wodurch sich das Risiko von Überalterung, Beschädigung und Wertverlust verringert. Für einen Autohof, einen Werkstattbetrieb oder ein Logistikzentrum bedeutet das weniger unbrauchbare Bestände und eine verlässlichere Versorgung.
Bei Lebensmitteln hilft FIFO, Produkte rechtzeitig vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu verwenden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist allerdings kein automatisches Verfallsdatum. Für leicht verderbliche Waren mit Verbrauchsdatum gelten strengere Anforderungen, weshalb die Lagerkontrolle hier besonders sorgfältig sein muss.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Nachvollziehbarkeit. Werden Artikel nach Eingang, Charge und Lagerplatz dokumentiert, lässt sich später leichter feststellen, welche Ware wann eingelagert und an wen ausgeliefert wurde. Das erleichtert Rückrufaktionen, Inventuren und die Ursachenanalyse bei Reklamationen.
FIFO hat aber auch Grenzen. Die Methode kann mehr Lagerfläche und längere Wege erfordern, weil die Waren nicht einfach dort entnommen werden, wo sie gerade am bequemsten erreichbar sind. Bei sehr schnellen Umschlagprozessen oder homogenen Schüttgütern ist der zusätzliche Aufwand manchmal größer als der Nutzen.
So wird FIFO im Lager praktisch umgesetzt

1. Ware eindeutig kennzeichnen
Jede Palette, jeder Behälter und möglichst auch jede einzelne Verpackung sollte mit Wareneingangsdatum, Charge und gegebenenfalls Haltbarkeitsdatum gekennzeichnet sein. Ein einfacher Aufkleber reicht in kleinen Lagern oft aus. Bei vielen Artikeln sind Barcodes oder RFID-Tags deutlich sicherer.
2. Lagerplätze logisch anordnen
Das Lager muss die gewünschte Entnahmereihenfolge unterstützen. Bei Durchlaufregalen wird die Ware auf der Einlagerungsseite eingelegt und auf der gegenüberliegenden Seite entnommen. Rollenbahnen bewegen die älteren Ladeeinheiten automatisch nach vorn. Das spart Suchzeit und macht Fehlbedienungen weniger wahrscheinlich.
In einem einfachen Fachbodenregal funktioniert FIFO ebenfalls. Dann muss die ältere Ware jedoch sichtbar vorne stehen und die neue Lieferung dahinter platziert werden. Meine Erfahrung aus der Lagerpraxis ist, dass eine klare räumliche Regel oft mehr bewirkt als eine komplizierte Arbeitsanweisung.
3. Entnahme verbindlich steuern
Die Mitarbeitenden brauchen eine eindeutige Vorgabe. Entnommen wird nicht der Artikel mit dem kürzesten Weg, sondern der Bestand mit dem ältesten Eingang. Ein Lagerverwaltungssystem kann den passenden Lagerplatz automatisch vorschlagen und die Entnahme per Scanner bestätigen lassen.
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4. Abweichungen dokumentieren
Beschädigte Kartons, gesperrte Chargen oder falsch eingelagerte Paletten müssen im System vermerkt werden. Sonst entsteht schnell ein scheinbares FIFO, während tatsächlich immer wieder einzelne Bestände übersprungen werden. Eine kurze tägliche Kontrolle und eine gründliche Inventur in festen Abständen reichen in vielen Betrieben bereits aus.
FIFO oder FEFO was passt besser
FIFO orientiert sich am Einlagerungszeitpunkt. FEFO bedeutet „First Expired, First Out“ und priorisiert die Ware mit dem frühesten Ablaufdatum. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn eine später gelieferte Charge kann ein kürzeres Mindesthaltbarkeitsdatum haben und müsste dann vor der älteren Lieferung ausgelagert werden.
| Verfahren | Entscheidendes Kriterium | Geeignete Beispiele |
|---|---|---|
| FIFO | Ältestes Einlagerungsdatum | Ersatzteile, Verpackungen, allgemeine Handelsware |
| FEFO | Frühestes Ablauf- oder Mindesthaltbarkeitsdatum | Lebensmittel, Arzneimittel, Kosmetik |
| LIFO | Zuletzt eingelagerte Ware zuerst | Bestimmte Schüttgüter oder stapelbare Materialien ohne Alterungsrisiko |
Für Lebensmittel und pharmazeutische Produkte würde ich deshalb nicht blind auf FIFO setzen. Wenn die Haltbarkeit der einzelnen Chargen unterschiedlich ist, ist FEFO die präzisere Steuerung. FIFO bleibt trotzdem eine gute Grundordnung, besonders wenn Eingang und Ablaufdatum eng zusammenliegen.
Welche Lagertechnik und Software FIFO unterstützen
Für hohe Umschlagmengen sind Paletten-Durchlaufregale besonders geeignet. Sie nutzen Rollenbahnen und eine Trennung von Beschickung und Entnahme. Bei Kleinteilen funktionieren Behälter-Durchlaufregale gut, während statische Regale eher für kleinere Bestände mit überschaubarer Artikelzahl passen.
Auch Bodenblocklager können FIFO ermöglichen, sofern die Ladeeinheiten in klaren Reihen angeordnet sind und die ältesten Paletten ohne Umstapeln erreichbar bleiben. Bei tiefen Lagerreihen entsteht dagegen schnell ein Problem, weil die vorderen Paletten den Zugriff auf ältere Ware blockieren.
Ein Lagerverwaltungssystem sollte mindestens Wareneingang, Lagerplatz, Charge, Einlagerungsdatum und Entnahme erfassen. Für empfindliche Waren kommen Temperaturprotokolle und Mindesthaltbarkeitsdaten hinzu. Die Technik ersetzt jedoch keine saubere Organisation. Ein Scanner kann nur dann richtig arbeiten, wenn die Ware beim Eingang korrekt erfasst wurde.
Bei der Auswahl einer Lösung würde ich nicht allein auf maximale Automatisierung schauen. Für ein kleines Lager mit 300 bis 500 überschaubaren Artikelpositionen kann eine strukturierte digitale Bestandsliste ausreichen. Bei mehreren Lagerzonen, täglichen Umlagerungen und vielen Chargen amortisiert sich ein professionelles System deutlich schneller.
Typische Fehler und realistische Grenzen
- Neue Ware wird vor alte Ware gestellt: Das passiert häufig bei Zeitdruck im Wareneingang und unterbricht die Rotation.
- Chargen werden vermischt: Dadurch verliert das Lager die Rückverfolgbarkeit und FEFO wird nahezu unmöglich.
- Nur der Artikel, nicht das Datum wird erfasst: Zwei gleiche Artikel können unterschiedliche Haltbarkeiten oder Einkaufspreise haben.
- Beschädigte Bestände bleiben im System: Der Bestand wirkt verfügbar, obwohl er praktisch nicht mehr ausgeliefert werden darf.
- FIFO wird mit Bestandsbewertung verwechselt: Die physische Entnahme und die bilanzielle Bewertung sind zwei getrennte Fragen.
Nach § 256 HGB können für gleichartige Vorräte Bewertungsvereinfachungsverfahren wie FIFO oder LIFO zugrunde gelegt werden, sofern die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung eingehalten werden. Für die steuerliche Behandlung gelten zusätzliche Regeln. Deshalb sollte die konkrete Bilanzierung mit der Steuerberatung abgestimmt werden, statt die operative Lagerregel einfach auf den Jahresabschluss zu übertragen.
Der häufigste Fehler ist aus meiner Sicht nicht die falsche Regaltechnik, sondern fehlende Disziplin an den Übergaben. Wenn Wareneingang, Einlagerung und Kommissionierung jeweils eigene Regeln verwenden, entstehen Lücken. Ein kurzer, schriftlicher Ablauf mit Verantwortlichkeiten ist oft wirksamer als ein teures System ohne klare Prozessführung.
Die beste FIFO-Regel beginnt mit einer einfachen Entscheidung
FIFO lohnt sich besonders dann, wenn Waren durch Zeit an Wert oder Qualität verlieren und der Bestand regelmäßig rotiert. Für Produkte mit unterschiedlichen Ablaufdaten sollte FEFO eingesetzt werden. Für langlebige, unverderbliche Güter kann dagegen eine einfachere Lagerordnung wirtschaftlicher sein.
Wer ein FIFO-Lager aufbauen möchte, sollte zuerst drei Fragen beantworten: Welche Waren altern? Wie werden Eingang und Charge dokumentiert? Und kann die vorhandene Lagertechnik die älteste Ware ohne Zusatzaufwand zugänglich machen?
Wenn diese Punkte geklärt sind, reichen oft überschaubare Maßnahmen aus: eindeutige Etiketten, feste Lagerzonen, regelmäßige Kontrollen und eine nachvollziehbare digitale Buchung. So wird aus einem theoretischen Logistikprinzip ein verlässlicher Ablauf, der Kosten senkt und die Lieferqualität im täglichen Betrieb verbessert.
